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Ein "Who is who" der Suchwerkzeuge für die Literaturrecherche im Internet

Einstieg

Es gibt eine Vielzahl von Suchwerkzeugen, die Ihnen für die Recherche im Internet zur Verfügung stehen. Zusätzlich ist die Mehrzahl an wissenschaftlichen Informationen online verfügbar. Die Herausforderung besteht darin, in der jeweiligen Situation („entsprechend dem jeweiligen Informationsbedarf“) geeignete Suchwerkzeuge zu verwenden, die Qualität der gefundenen Informationen einzuschätzen und eine bewusste Auswahl zu treffen.

Hier finden Sie einen Überblick über Suchwerkzeuge für die (wissenschaftliche) Literaturrecherche. Dies sind Bibliothekskataloge, wissenschaftliche (Fach-)Datenbanken und kommerzielle Suchmaschinen.

Bibliothekskataloge / Onlinekataloge

In Onlinekatalogen finden Sie die Bestände einer Bibliothek: gedruckte Bücher und Zeitschriften, aber auch E-Books und elektronische Zeitschriften. Entscheidend ist, ob das jeweilige Medium lokal vorhanden ist  beziehungsweise, ob es genutzt werden kann.

Übrigens: Der mittlere Reiter im Katalog der UB Augsburg, „Bayerischer Verbundkatalog/Fernleihe“, bietet Ihnen eine überregionale Suche in allen Bibliotheken, die diesem Verbund angehören, darunter alle bayerischen Universitätsbibliotheken. Finden Sie dort ein für Sie interessantes Buch, können Sie dies über die sogenannte Fernleihe bestellen und in der Regel nach ein bis zwei Wochen in der Teilbibliothek Medizin ausleihen.

Wo sind die Grenzen des Bibliothekskatalogs? In Bibliothekskatalogen werden traditionell nur selbständige Publikationen verzeichnet. Damit bezeichnet man zum Beispiel Bücher, Zeitungen und Zeitschriften. Nicht erfasst werden dagegen die unselbstständigen Publikationen. Dies sind einzelne Aufsätze oder Artikel, die in Zeitschriften oder in Sammelbänden erscheinen. Im Verlauf Ihres Studiums wird die Verwendung von wissenschaftlichen Zeitschriftenartikeln immer wichtiger werden. Diese Publikationen finden Sie in wissenschaftlichen Datenbanken oder Fachdatenbanken.

Wissenschaftliche Datenbanken und Fachdatenbanken

Im Gegensatz zu Bibliothekskatalogen sind wissenschaftliche (Fach-)Datenbanken standortunabhängig. Das bedeutet, sie verzeichnen nicht den Bestand einer bestimmten Bibliothek. Stattdessen werden je nach Ausrichtung der Datenbank eine große Zahl von Fachzeitschriften oder anderen Ressourcen ausgewertet und die darin erscheinenden Artikel in die Datenbank aufgenommen. Anders ausgedrückt verzeichnen Fachdatenbanken also auch unselbstständige Publikationen.

Die wohl wichtigste internationale Fachdatenbank für die Medizin ist Pubmed/MEDLINE der US-amerikanischen National Library of Medicine. Darüber hinaus gibt es das Suchportal LIVIVO der Deutschen Zentralbibliothek für Medizin (ZB MED – Informationszentrum Lebenswissenschaften), das auch eine größere Zahl an deutschsprachigen medizinischen Zeitschriften auswertet. Ein anderes Beispiel ist die Meta-Suchmaschine BASE der Universitätsbibliothek Bielefeld, die fachübergreifend online frei verfügbare wissenschaftliche Publikationen („Open Access Publikationen“) verzeichnet. Dafür werden nicht nur Zeitschriften, sondern auch andere Quellen ausgewertet, die Literatur frei zur Verfügung stellen, wie Publikationsserver von Universitäten.

Übrigens: Mittlerweile verschwimmen die Grenzen zwischen Bibliothekskatalogen und wissenschaftlichen Datenbanken. So erscheinen im Reiter ganz rechts im Onlinekatalog der UB Augsburg, „Artikel & mehr“, auch Zeitschriftenaufsätze. Dies kann als Einstieg in ein Thema hilfreich sein, für eine spätere systematische Recherche in der Medizin empfehlen wir diese Option allerdings nicht.

Kommerzielle Suchwerkzeuge: Google und Google Scholar

Hinter den bisher erwähnten Suchwerkzeugen stehen wissenschaftliche Einrichtungen wie Spezialbibliotheken, Informationszentren oder Universitäten. Wie sieht es dagegen mit kommerziellen Suchwerkzeugen aus, allen voran denen von Google? Hierzu ebenfalls ein erste Einschätzung aus dem E-Book JUSTfind – Wissenschaftliche Literatur finden der UB Gießen (Waldschmidt-Dietz 2015, S. 19f.; Links wurden durch die Autorinnen dieses Lernmoduls eingefügt und Abkürzungen ausgeschrieben):

"Bei der Verwendung populärer Suchmaschinen wie Google muss man bedenken, dass diese ...

  • keine beziehungsweise andere Qualitätskontrollen anwenden, als für wissenschaftliche Zwecke erforderlich,
  • meist kommerzielle Interessen bedienen (müssen),
  • lückenhaft sind aufgrund von Lizenzen oder dem Crawler-Prinzip,
  • an der Oberfläche fischen (Surface Web versus Deep Web),
  • Trefferlisten anhand statistischer Prinzipien anstelle einer systematischen Erschließung, beispielsweise durch Schlagwörter, zusammenstellen,
  • ein unklares Ranking anstelle einer Relevanzorientierung anwenden, welches sich gegebenenfalls an Werbung orientiert,
  • mit Datensammlung verbunden sind (Datenschutzproblematik)."

Dennoch verwenden wohl die meisten von uns täglich Google als Suchmaschine. Der Einstieg über Google (oder über aus Datenschutz-Sicht geeignetere Alternativen wie zum Beispiel Startpage) ist nützlich für eine erste Überblicksrecherche oder zur Ermittlung bestimmter Fakten, die beispielsweise im Google Knowledge Graph präsentiert werden. Auch mit speziellen Angeboten wie der Bilderrecherche über Google können nicht-kommerzielle Suchwerkzeuge nur schwer mithalten. Quantitativ betrachtet erhalten Sie über Google eine deutlich höhere Anzahl an Treffern als über eine Recherche in Bibliothekskatalogen oder in Fachdatenbanken. Das kann bei Themen, über die Sie noch keinen guten Sucheinstieg über wissenschaftliche Suchwerkzeuge gefunden haben, von Vorteil sein. Bei Themen, die ausführlich in der wissenschaftlichen Literatur beschrieben sind, führen Fachdatenbanken jedoch gezielter zu bereits wissenschaftlich geprüften Quellen.

Haben Sie neben Google auch schon einmal den auf wissenschaftliche Recherche ausgelegten Dienst Google Scholar verwendet? Wie bei Google ist das Ranking nicht transparent, dafür bietet der Dienst andere Vorteile. Beispielsweise werden gezielt auch frei verfügbare Versionen von Artikeln verlinkt. Daneben kommt man über die Option "related articles" zu Publikationen, die einen Artikel zitieren und kann so den wissenschaftlichen Diskurs verfolgen. Hilfreich ist auch, dass im Hochschulnetz der Universität Augsburg von Google Scholar aus direkt auf an der Universität zugängliche elektronische Zeitschriftenartikel verlinkt wird (Option "SFX / UB Augsburg").